Traumwetter: Nürnberg • 22ºC sonnig • 1.048,75 hPa • PHI 10 • Fussball in Sicht!

Inselpoet Robert Dennerlein

Als gebürtiger Nürnberger reüssierte ich lange Zeit vor allem als Autor und Verleger von Fischereiführern, wobei ich Hobby und Beruf verbinden konnte. In den letzten 15 Jahren wurde ich als Mundartlyriker deutschlandweit bekannt, obwohl ich hauptsächlich in meinem heimatlichen Idiom schreibe. Die langen Lesereisen und die Präsenz auf Buchmessen begannen mich gesundheitlich zu beeinträchtigen, zudem hatte ich kaum mehr ein Privatleben mit Frau und Sohn. Als ich von Chronos Somnium erfuhr, begann ich mit dem Gedanken zu spielen, meine Zelte in Nürnberg abzubrechen und auszuwandern. Bei meiner Frau, eben so beruflich eingespannt wie ich, rannte ich mit dieser Absicht offene Türen ein.

 

Wir ließen uns am See der Wohlgefühle nieder, die unberührte Natur und der reiche Fischbestand begeisterten mich als leidenschaftlichen Angler. Als Reminiszenz an die alte Heimat errichteten wir aus heimischen Hölzern ein Fachwerkgebäude. Wenn ich nachts mit der Angelrute in der Hand am ruhigen Wasser sitze und unser gemütliches Domizil unglaublich klar von der spiegelglatten Oberfläche reflektiert wird, finden Körper und Geist zu einer nie gekannten Klarheit und Gelassenheit und zu einem inneren Frieden, der sich in meiner Lyrik durch neue Tiefe widerspiegelt. In solchen Nächten ist es leicht vorstellbar, dass der Pennelaurum Happy Index in auf der übrigen Welt ungeahnte Höhen steigt. Wenn dann so ein ausgesprochen wohlschmeckendes Exemplar der hiesigen Süßwasser-Variante des europäischen Wildlachses anbeißt, macht das eine solche Nacht perfekt.

 

Auch wenn ich zunächst befürchtete, so „weit ab vom Schuss“ als Schriftsteller in Vergessenheit zu geraten, die Entscheidung zur Übersiedlung erwies sich als goldrichtig. Es hagelt weiterhin Einladungen zu Lesereisen, doch selbst der große Erfolg meines letzten Buches „Fröschernaggerd" kann mich noch nicht dazu bewegen, die Insel für längere Zeit zu verlassen.

   

Chronos Somnium ist mir eine wunderbare zweite Heimat geworden, nur eine „Kleinigkeit“ vermisse ich hier schmerzlich: den Fußball. Natürlich verfolge ich als leidenschaftlicher „Clubberer“ jedes Spiel per Internet, aber die Stadionatmosphäre ist durch nichts zu ersetzen. Und wenn sich auch inzwischen viele Sportarten auf der Insel etabliert haben, für eine spielstarke Liga ist die Bevölkerung trotz ihres rasanten Wachstums nach wie vor zu klein. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.