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Friedrich Ach, Nürnberger Schriftsteller

Mein Folien- und Glashäuser-Traum

 

Oder:

 

Unterschiedliche Flug-Geräte, ein weiblicher Schnittlauch-Topf

 

und eine außergewöhnliche Begegnung im Super-Markt

 

 

 

 Szene Eins:

 

Ich sitze, mitten in der Kino-Stadt, in der ersten Reihe des alten Lichtspiel-Palastes.

 

Ich stehe auf und betrete den Film.

 

Und da sind sie wieder, diese schimmernden Abdeck-Folien. Und auch die im geometrisch-kühlen Bauhaus-Stil errichteten Glaswand-Häuser. Ich weiß, dass ich träume. Aber das ist nicht wichtig. Ich sage:

 

„Ich wollte doch in einen Western. Da es sich aber bei dem, was da vor mir im Mondlicht glänzt, eindeutig um Lande-Bahnen für extra-terrestrische Luft-Post-Bus-Radieschen und Sport-Flugzeug-Rettiche handelt, bin ich wohl doch in einem Science-Fiction-Film gelandet. Ich muss die Plakate verwechselt haben.“

 

Ich bücke mich und sage zu einem Schnittlauch-Topf:

 

„Gnädige Frau, ich halte es für die natürlichste Sache der Welt, dass sie hier, auf ihrem Gemüse-Anbau-Planeten, der sicher Dutzende von Lichtjahren von Poppenreuth, Kraftshof und Ziegelstein entfernt ist, sowohl einen Mond als auch ein Knoblauchs-Land haben.“

 

 Szene Zwei:

 

Ich stehe in einer dieser leicht-gewichtigen Hallen. Über mir sind deutlich dünne MetallStäbe zu sehen, die mit Folien überzogen sind. Von hier aus beobachte ich die Flugzeuge vom Anfang dieser Geschichte, die sich noch immer im Lande-Anflug befinden.

 

Ich bekomme Hunger. Vielleicht liegt es ja daran, dass die Knoblauch-Fee, die in einem knoblauch-zwiebel-weißen Gewand neben mir steht, vor ein paar Sekunden zu mir sagte:

 

„Schau‘ hin. Dort, inmitten der Silber-Vogel-Schwärme, da fliegt sie wieder, die jumbo-jet-große ‚Pizza Franconia con Schaifäla‘ “.

 

 Szene Drei:

 

Es ist Mitternacht. Ich stehe zwischen zwei gläsernen Hallen, die von innen heraus beleuchtet sind. Vor den „Glas-Hütten“ verkaufen der Revolver-Held Billy the Kid und der Gesetzes-Hüter Pat Garrett riesengroße Endivien-Salat-Stauden und kleine fränkische Salat-Gurken. Ein Kavallerist verfolgt den „Letzten Mohikaner“. Die Möglichkeit, dass sich in den beiden Glas-Hallen eine Staffel dieser libellen-artigen Hubschrauber versteckt, die von den Amerikanern Su und von den Deutschen Sioux genannt werden, erhöht sich von Minute zu Minute.

 

Im selben Moment stehe ich in einer kleinen Galerie. An den Wänden hängen Knoblauchs-Land-Fotografien. Ich sage:

 

„Man sollte es nicht für möglich halten, aber die königlichen Gewächshäuser und der Wilde Westen ergänzen sich wirklich hervorragend.“

 

 Szene Vier:

 

Zwischen zwei typisch knoblauch-ländischen Gemüse-Anbau-Feldern gehe ich auf einem schmalen Weg, der nur für landwirtschaftliche Fahrzeuge freigegebenen ist. Zwei etwas grässlich blässlich aussehende Herren, die mir ein Transparent mit der Aufschrift „Interessen-Gemeinschaft knoblauch-freies Knoblauchs-Land“ entgegenhalten, blicken gelangweilt über die Felder. Mehrere mit Unmengen von Petersilie und Majoran gewürzte Weißwurst-Zeppeline fliegen mit einem sanften Brummen, wie in Zeit-Lupe, über ein schon vor langer Zeit vom Knoblauch befreites Knoblauchs-Land.

 

 Szene Fünf:

 

Ich gehe durch einen unendlich großen „Knoblauchs-Land-Supermarkt“. In Regalen, die vom Boden bis zur Decke reichen, wird in Zehner-Reihen, eine riesige Menge von kleinen weißen Flaschen präsentiert. Eine junge Frau läuft suchend durch die engen Gänge. Als sie eine der Flaschen in die Hand nimmt, schwebt die fränkische Knoblauch-Königin auf sie zu und flüstert ihr mit knoblauch-durchsetztem Atem ihre Werbe-Botschaft ins Ohr:

 

 

 

„Franconian-Garlic,

 

die original Knoblauchs-Land-Knoblauch-Soße

 

aus der neuen knoblauch-zehen-förmigen Dose.

 

 

 

Jung‘ Frau,

 

sei schlau.

 

Nimm jeden Tag als Knoblauch-Kur

 

von uns‘rer Soße einen Löffel pur,

 

denn damit wird jeder Vampyr,

 

da er dich deshalb nicht küssen kann,

 

was dieser Bösling vorher aber nicht wissen kann,

 

zu einem Tier.

 

 

 

Und er verwandelt sich,

 

klingt dies auch noch so unglaublich,

 

kurzerhand,

 

mittendrin im Knoblauchs-Land,

 

noch vor der Morgen-Röte,

 

in eine Knoblauch-Kröte“.

 

 

 

 

 

 

 

      © Friedrich Ach