Traumwetter: Nürnberg • 22ºC sonnig • 1.048,75 hPa • PHI 10 • Surrealismus in Sicht!

Friedrich Ach, Nürnberger Schriftsteller

die surrealistische woche

 

oder

 

wie immer endet alles mit landstraßen & sonntag

 

 

 

meistens hat die woche dry montage.

 

der dienstag ist in wahrheitnur eine hoch-haus-hohe kaffeetasse.

 

obendrein ist zu bedenken, dass in mittel-europa kaffeetassen jeden mittwoch fear ehren-karten in empfang nehmen dürfen, die zum kauf eines original ägyptischen Eisbären und zur benutzung der städtischen omnibusse von atlantis berechtigten.

 

der omnibus nummer eintausend-einhundert-und-eins tanzt jeden donnerstag in einem fränkischen hausflur, der mit als schoko-lebkuchen getarnten nürnberger bratwürsten tapeziert ist.

 

und auch der hundert tonnen schwere elfen-bein-elefant, der immer freitags in meiner küche wohnt, ist genau genommen nur ein omnibus.

 

am samstag trinken alle stadtbekannten elefanten im postamt an der ecke die ihnen laut königlich-fränkischer post-ordnung zustehenden vierunddreißig schottischen whiskys.

 

das muss so sein, denn am sonntag enden die sieben landstraßen.

    

 

     © Friedrich Ach

 

 

 

 

Die Beerdigung

 

Oder:

 

Man sollte es nicht für möglich halten,

 

aber in Wirklichkeit war es noch schlimmer

 

 

 

Gleich nachdem Herr Otto verstorben war wurde von seiner Ehefrau eine Nachrichtensperre verhängt. Weder seine Verwandten noch die Öffentlichkeit sollten von seinem Tod erfahren. In den örtlichen Tageszeitungen erschien keine Traueranzeige und auch dem Bestattungsamt wurde untersagt die Medien von seinem Abbleben zu unterrichten.

 

Diejenigen, die bereits davon erfahren hatten, mussten eine Erklärung unterschreiben, in der sie sich verpflichteten, mindestens einen Monat lang über ihr Wissen zu schweigen. Und auch das Bestattungs-Unternehmen „Dobb-Sigrid“ musste sich schriftlich verpflichten den Zeitpunkt der Verbrennung und den Ort der Beisetzung für immer geheimzuhalten.

 

Die Bestattungs-Firma erfüllte ihren Auftrag mit Bravour. Sie kümmerte sich um die Termine, die Kränze, die Blumen und den Pfarrer. Darüber hinaus mietete sie für eine Stunde ein Dutzend Trauergäste an.

 

Noch nach Jahren wurde in der Verwandtschaft des Herrn Otto über diese seltsame Beerdigung diskutiert. Und ein Vetter zweiten Grades, der sich inkognito - er war als Gärtner getarnt – während der Beerdigung in der Nähe des Grabes aufgehalten hatte, berichtete bei einem Familientreffen, dass die gemieteten Trauergäste den Onkel Sebastian und die restlichen Verwandten damals so gut dargestellt hätten, dass die Stellvertreter schon nach ein paar Minuten für ihn wesentlich echter gewirkt hätten als die echten Verwandten.

 

Einige der Anwesenden erfuhren erst auf Grund dieses Berichts, dass Herr Otto schon vor Jahren verstorben war.

 

 

 

      © Friedrich Ach