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Friedrich Ach (lesend) und Robby Dennerlein
Friedrich Ach (lesend) und Robby Dennerlein

 

Friedrich Ach, Nürnberger Autor

 

Der Nürnberger Schriftsteller Friedrich Ach schreibt hochdeutsche Prosa und Lyrik sowie fürthbetontes Mittelfränkisch, gewürzt mit einer Prise Nürnberger Mundart. Gegenstand seiner Texte sind meist humorvoll beschriebene Alltagsgeschehnisse: Curioses und Skurriles, Satirisches und Post-Modernes - zum Lachen, Nachdenken und Träumen.

 

Logenplatz am äußersten Rand der Europäischen Union

 

Ein Text,

angeregt durch einen Film

über den portugiesischen Dichter

Fernando Pessoa

 

 

Am Nachmittag, in der nahezu unerträglichen, in der an das unsägliche grenzenden portugiesischen Traurigkeit, saugt sich Meter um Meter die Schwermut in die breite städtische Strand-Landschaft.

Mehrere graubärtige, vergreiste Jünglinge sitzen mit dunklen Sonnenbrillen, schwarzen Anzügen und einigen Spazierstöcken bewaffnet, unter großen Schirmen auf Kaffehaus-Stühlen und blicken starr inn Richtung Meer.

Moderne Schiffe, die, während sie vorübergleiten, stets den selben Abstand zur Stadt und zu den möblierten Stränden einhalten, sehen plötzlich sehr alt aus.

In dieser behäbigen Luft wirken russische Kreuzfahrt-Schiffe und amerikanische Flugzeug-Träger so, als wären sie allesamt Schlachtschiffe einer einzigen großen antiken Flotte.

Jedes dieser unzähligen, trägen Schiffe kommt von einer anderen Insel.

Und doch haben diese Inseln etwas gemeinsam:

Sie sind alle aus Träumen entsprungen.

Doch auch die Schiffe verbindet etwas:

Die einen haben die ihnen zugeteilten Reisen bereits hinter sich, und die anderen haben die ihnen vorherbestimmten Schlachten schon vor ewigen Zeiten geschlagen.

Sie alle kennen nur noch ein letztes Ziel, einen Ort, der nur ihnen allein bestimmt ist.

Es ist ein Hafen, den es noch nicht gibt.

Es ist ein Hafen, der von den Bewohnern der zukünftigen Hafen-Stadt erst noch erträumt werden muss.

Vielleicht geschieht dies noch heute. Möglicherweise aber auch erst in zwei Wochen.

Ein paar Tage eher oder ein paar Jahre später, was macht das schon, inmitten dieser unterschiedslos traurigen jahrhundertelangen Wochen in Portugal.

 

 

© Friedrich Ach

 

 

 

 

 

Ein Traum ?

Oder:

Das vampyrische Fräulein

 

Ich öffne eine Aufzug-Türe und betrete die Kabine.

Jählings steht ein sehr blasses, wie mit weißer Farbe bemaltes, Fräulein Vampyr vor mir. Ihre weiße Haut lässt ihr langes, pech-schwarzes Kleid noch schwärzer erscheinen.

Da ich die Aufzug-Kabine für leer gehalten hatte, zucke ich kurz zusammen.

Dann fasse ich Mut und spreche zu ihr:

„Da haben Sie mir aber einen freudigen Schrecken eingejagt. Und das ist auch kein Wunder, da Sie, und nehmen Sie das bitte nicht persönlich, genau so aussehen, wie ein mir bestens bekanntes Vampyr-Fräulein, das seit hunderten von Jahren in meinen Träumen beheimatet ist.“

Sie lacht hämisch auf und öffnet ihre blutig-rot bemalten Lippen.

Ganz nebenbei hat sie mir noch erzählt, dass sie normalerweise in den Blauen Blättern wohne ...

 

 

       © Friedrich Ach