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Dr. g.t. Lucia Lupenrein
Dr. g.t. Lucia Lupenrein

Das Echtheitszertifikat

 

Titel: Selbstportrait im Pelzrock

Künstler: Albrecht Dürer

Breite: 40,5 cm

Höhe: 54,5 cm

Öl

Bildträger: Malerei auf Lindenholz

Datierung: 1500

Standort: Schloss Nach Acht, Chronos Somnium

 

 

 

Provenienz

 

Aus dem Besitz Albrecht Dürers an die Stadt Nürnberg übergegangen. 1613 von Jobst Harrich im Auftrag des Ratsbaumeisters Wolf Jacob Stromer kopiert. Das Original wurde in die Rückwand eines Schrankes eingelassen. Über dem Portal im Rathaus verblieb die Kopie. Das Original wurde anlässlich Renovierungsarbeiten 1862 vom ersten Bürgermeister Maximilian Ritter von Wächter wiederentdeckt. Dieser gab das Bild dem Weltenbummler Freiherr Eduard von Chronos Somnium. 2012 wurde es bei Restaurierungsarbeiten unter Putz der Grabkammer des Freiherrn auf Chronos Somnium entdeckt.

 

Kurzbeschreibung

 

Das Tafelbild stellt das Brustbild Albrecht Dürers dar. Er trägt eine braune Schaube mit Marderpelzkragen und an der Schulter geschlitzten Ärmeln. Mit einer Hand fasst er an das Pelzrevers. Links sind seine Initialen und die Zahl 1500 gemalt, rechts: Albertus Durerus Noricus / ipsum me propriis sic effin / gebam coloribus aetatis / anno XXVIII (So malte ich, Albrecht Dürer aus Nürnberg, mich selbst mit unvergänglichen Farben im Alter von 28 Jahren.)

 

Forschungsgeschichte / Diskussion

 

Bei diesem Bild handelt es sich um ein von Dürers Hand gemaltes Bild. Dies belegt die Provenienz und die kunsttechnologische Untersuchung. In der Grabkammer Eduards wurden nicht nur das Selbstbildnis Dürers gefunden. Es befanden sich an dieser Stelle ebenfalls eine Kiste mit Dokumenten und Briefen von Eduard. Nach eingehender Untersuchung der Dokumente konnte eine Notiz dem Ratsbaumeister Wolf Jacob Stromer (Ratsbaumeister von 1589-1614) zugeordnet werden. Seine Handschrift stimmt mit alten Dokumenten überein. Das Pergament und die Tinte der Notiz sind mindestens 500 Jahre alt. In dieser Notiz bestätigt Stromer Jobst Harrich mit einer Kopie des Bildes beauftragt und anschließend das Original in die Rückwand des Schrankes versenkt zu haben. Er schreibt weiter, dass die Kopie anstelle des Originals aufgehängt wurde. Welche Gründe der Ratsbaumeister dafür hatte sind nicht belegt. Er scheint sein Wissen jedoch nicht weitergegeben zu haben. Erst 1862 wurde das Bild bei Renovierungsarbeiten von Maximilian Ritter von Wächter entdeckt. Eduard von Chronos Somnium schildert im letzten Brief an seine Schwester, wie schockiert und zugleich erleichtert Wächter gewesen sei. Man sei bisher davon ausgegangen, die Bayern hätten nun das Original. Da niemand davon wisse, dass über all die Jahre eine Kopie im Rathaus hing und natürlich sämtliche Kopien von der Kopie gemacht wurden, nicht vom Original, halte er es für das Beste das Bild Eduard auf seine Trauminsel mitzugeben. Er bat Eduard jedoch nach 150 Jahren solle die Familie derer von Chronos Somnium die politische Lage in Nürnberg bedenken und das Bild in Nürnberg ausstellen, wenn dies ungefährlich zu bewältigen sei. Der Brief Eduards befand sich ebenfalls in der im Grab gefundenen Kiste.

Dürers Selbstbildnis wurde infrarotreflektografisch untersucht. Unter der dunkelbraunen Malschicht des Hintergrundes konnte die Entwurfszeichnung eines Raumes mit Butzenscheibenfenster sichtbar gemacht werden. Dürer entschied sich jedoch für einen neutralen Hintergrund. Die mikroskopische Untersuchung der Pigmente und die Pigmentanalyse ergaben, dass Ultramarin, karmesinrote Farbe aus polnischen Schildläusen, Brasilholz und Blattgold verwendet wurde, typisch für Albrecht Dürer. Mit Hilfe der Dendrochronologie wurde das Alter der Lindenholzträger bestimmt: Das Holz ist ebenfalls mehr als 500 Jahre alt. Aufgrund der umfangreichen Untersuchungen muss davon ausgegangen werden, dass es sich bei dem Selbstbildnis im Pelzrock, welches in der Alten Pinakothek in München ausgestellt ist, nicht um das Original handelt. Ein vergoldeter Schädel, der sich ebenfalls im Grab befand und den Eduard auch Dürer zuschreibt, kann allerdings nicht zweifelsfrei Dürer zugeordnet werden, da seine Gebeine mit vielen anderen in einer Gruft lagen. Der Schädel ist ebenfalls beinahe 500 Jahre alt, die Vergoldung wurde aber später angebracht. Die Notiz von Wächter sagt dazu, dass im Jahre 1824 dem Grabmal zwei Schädel entnommen wurden. Einen davon habe Johann Christoph Haller zu Hallerstein vergolden lassen, als er von einem Münchner Graf des Diebstahls an Dürers Kopf bezichtigt wurde und ihn anschließend in einem Schrank in der Ratsstube versteckt. Der andere Kopf ging nach München. Da bei der Renovierung auch der Schrank entrümpelt wurde, kam der Kopf zum Vorschein. Wie Eduard zu dem Kopf kam ist allerdings nicht erwähnt, es ist allerdings davon auszugehen, dass es sich bei dem im Grabmal gefundenen Schädel um denselben handelt.

 

Dr. g.t. Lucia Lupenrein

Universa-Politan-Museum